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SHOW + TELL: Attila Hartwig

Im SHOW + TELL zeigte Attila Hartwig den Stand zweier Arbeiten zur eigenen Familiengeschichte: Die Rauminstallation Hunde können wenigstens den Mond anheulen. Wir nicht einmal das, sowie Palimpsest Kapitel PatinaAttila Hartwig lebt und arbeitet in Berlin als Künstler und Dozent und schafft Räume für Begegnung, Lehre, Kunst und Berührung. In Berlin-Kreuzberg betreibt er das Sankt Studio.

(Foto: Hunde können wenigstens den Mond anheulen. Wir nicht einmal das, work-in-progress, Attila Hartwig)

Attila Hartwig

Ich arbeitete oft in Kapiteln – in abgeschlossenen Einheiten, die Raum lassen für das Unfertige und das Ausgesprochene. — Attila Hartwig

Attila Hartig zu seinen Arbeiten: “Zwischen zwei Kulturen aufgewachsen. Zwischen zwei Familien, die augenscheinlich nicht viel gemeinsam haben können und doch ähneln sich Verletzung, Schweigen und Erinnerung. Als Kind einer türkischen Gastarbeiterin und eines bayerischen Akademikers. Als Deutscher, der in Deutschland trotzdem nicht immer ganz als Deutscher gelesen wird. Nicht nur fremdbezeichnet als Migrant,  dann auch noch einen Nazihintergrund. Alles existiert gleichzeitig.
Viele Menschen leben seit Generationen hier, lieben hier, sterben hier – und spüren trotzdem, wie fragil Zugehörigkeit sein kann. Ein Fehler, eine politische Stimmung, ein öffentlicher Diskurs – und plötzlich wird wieder darüber gesprochen, wer eigentlich dazugehört und wer in die „Heimat“ zurück soll, wir nennen es Abschiebung.
Mich interessiert, wie sich so etwas im Körper festsetzt. Nicht unbedingt immer als Trauma, sondern eher als leise Alarmglocke. Als Vorsicht. Als etwas, das man manchmal gar nicht erklären kann und trotzdem ständig mit sich trägt. Vielleicht werden solche Gefühle in Familien weitergegeben, ohne Worte, ohne Absicht.
In Hunde können wenigstens den Mond anheulen. Wir nicht einmal das.“  installierte ich einen Raum, der sich selbst versteckt. Eine Dunkelkammer. Ein verschobener Grundriss. Verborgene Ecken. Über Monate fotografiere ich durch ein kleines Fenster eine Rosskastanie und entwickle die Bilder vor Ort.
Mich interessiert dabei weniger das einzelne Bild als das Vergehen von Zeit und Hoffnung.
In Palimpsest – Kapitel Patina arbeite ich aktuell mit Familienfotografien. Ich zerstöre sie. Die Oberfläche wird dunkel, brüchig, teilweise unlesbar. Und trotzdem verschwindet nichts wirklich.
Ich weiß nicht immer genau, wonach ich suche. Aber ich merke, dass es einen Drang gibt, diesen Fragen nachzugehen. Manche Menschen verstehen diese Arbeiten ohne Worte. Andere lehnen sie ab. Beides gehört wahrscheinlich dazu.”

Mit freundlicher Unterstützung von Saal Digital Fotoservice GmbH.